Tag 4 – Kulinarischer Jackpot

8 Feb

Das garstige Istanbuler Wetter veranlasst uns mehr Aktivitäten in geheizten Räumen auszuüben. Heute zieht es die Reisegruppe Pavianarsch ins Istanbul Modern. Die türkische Kunstgeschichte der letzten 120 Jahre ist darin übersichtlich und kompakt dargestellt. Das Museum liegt direkt am Bosporus und durch die gläsernen Fronten kann man die Möwen und Boote beobachten, die ihre Bahnen ziehen. Bald knurrt der Magen so stark, dass der Kaffee im Museumsrestaurant nicht weit reicht. Wir setzten uns in die nächste Fähre und fahren rüber zum asiatischen Stadtteil. Wie wenn wir noch einen weiteren Appetitanreger bräuchten, schlendern wir zuerst durch eine Marktgasse. Es wimmelt nur so von kleinen Ständen und Läden, die Fisch, Gemüse und Fleisch verkaufen. Reichhaltiger und abwechslungsreicher als auf dem europäischen Teil der Stadt, den ich bisher gesehen habe.

Überall liegen Wolfsbarsche, Meerbrassen, Doraden, Drachenköpfe und kleine Heringe. Speisten wir nicht auswärts, würde ich hier voll zuschlagen. Auch das ehemalige “Arme-Leute-Essen”, also Innereien etc, wird hier immer wieder angeboten. Die Auswahl reicht von Kopf und Hoden vom Lamm, respektive Schaf, bis hin zu Mägen und Füssen. Leider kann man diese Teile nirgends zubereitet probieren, sondern nur käuflich erwerben.

Bald lassen wir uns in einem eher touristisch anmutenden Restaurant nieder. Was bereits vor dem Eintreten angenehm auffällt, ist der fehlende Typ vor der Türe, der in bester Phuketmanier potentielle Gäste mit einem flippigen “Hello my friend, how are you? Come here.” zum Essen reinlocken will. Als wir uns setzen korrigiert der Kellner auf Eigeninitiative hin den wackelnden Tisch. Der Koch am Büffet erklärt uns die verschiedenen Speisen und wir beschliessen wie vor zwei Tagen, von allem etwas zu probieren. Was dann passiert lässt Gourmets, Schlemmer und Vielfrasse vor Freude an die Decke springen. Die Meze ist einfach grossartig: Hüttenkäse mit jungem Knoblauch, verschiedene Linsensalate, aromatischer Humus, Schafskäse mit Chili, in Weinblätter gerollter Reis, knallgrünes Tabouleh und rötliches Gusgus zaubern uns ein breites Grinsen ins Gesicht. Jede Komponente ist saugut abgeschmeckt. Gekrönt wird das Ganze mit frischen Broten in Calzoneform, die direkt aus dem Ofen kommen.

Die Dinger sind wie perfekte Soufflés. Wir machen uns einen Spass daraus, sie mit der Gabel anzupieksen, reissen sie dann in Stücke und spachteln all die anderen Leckereien darauf. Dazu wird alle paar Minuten wieder Joghurtsosse gereicht. Und noch mehr frisches Brot. Dann geht es weiter mit Suppe aus jungem Knoblauch, Rahm und Lammfleisch, gefolgt von in Teig frittiertem Lammfleisch und gefüllten Zwiebeln. Dann kommt unser freundlicher und authentischer Kellner (die Kombination hat wahren Seltenheitswert) und schneidet einen Reiskuchen in sechs Teile. Darin sind Mandeln, Rosinen und süsse Gewürze. Wir kapitulieren. Ende, aus, voll. Essen 9/10 und Service 10/10 Punkten. Die Preis/Leistung sprengt jede Skala. Wer bei einem Istanbul-Urlaub hier nicht vorbei kommt, ist selber Schuld!

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3 Antworten to “Tag 4 – Kulinarischer Jackpot”

  1. Melda Februar 9, 2012 at 5:30 nachmittags #

    Meze ist eigentlich Beilage zum Raki…

  2. Bernd Februar 17, 2012 at 9:37 nachmittags #

    Vorbildlich, dass hier regelmaessig soviel geschrieben wird.

  3. hilbero Februar 18, 2012 at 9:09 nachmittags #

    Danke! Im Urlaub ist’s auch etwas einfacher, ausser man ist die ganze Zeit mit Essen beschäftigt :)

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